Bindungshalten

Das Bindungshalten ist eine körperorientierte Bindungstherapie.

Sie dient der Stärkung der Bindungen und Klärung der Beziehungen innerhalb der Familie.

Sie

  • stärkt die eigene Fähigkeit, gesunde Bindungen und Beziehungen einzugehen und zu leben,
  • hilft emotionale Wunden zwischen Menschen zu klären und Schritt für Schritt zu heilen,
  • ermöglicht festgefahrene Konflikte zu lösen.
  • fördert die Selbstwahrnehmung und bringt Menschen in einen präsenten und lebendigen Kontakt mit sich selbst und andere.
  • führt zu einer gesunden Autonomie

Wer sich den inneren Bewegungen im Rahmen einer Haltearbeit (oder eines Halteprozesses) stellt, gewinnt an Klarheit, Lebendigkeit und innerer Sicherheit. Sie geschieht in Partnerarbeit, angeleitet und begleitet durch eine ausgebildete, therapeutische Fachperson.

Therapeutische Halteprozesse werden ganz unterschiedlich gestaltet: Sie richten sich nach dem augenblicklichen Bedürfnis der zu haltenden Person. Manchmal braucht es eine behutsame Berührung, manchmal einen eindeutigen festen Körperkontakt um lösende innere  Bewegungen in Gang zu setzen.

Es folgt der Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin, die einen therapeutisch begleitenden Prozess erlebt hat:

" Was Bindungshalten bedeutet. Festen Halt suchen, geben und finden…

Eine fremdartige Vorstellung zunächst: Auf einer Matte liegen, eine Hand auf dem Herzen, eine auf dem Bauch und einem anderen gestatten, sich obenauf zu legen.  Auch wenn es ein Familienmitglied ist, erst recht aber bei einem Fremden. Wer legt sich schon gerne vor „Publikum“, einem begleitenden Therapeuten oder einer Therapeutin aufeinander, denkt man.

Aber seltsam, wenn die Situation dann ansteht und zuvor gut vorbereitet wurde, hat sie nichts Peinliches oder Unangenehmes. Erstaunlich normal fühlt sich das an.

Man erfährt, meist zum ersten Mal im Leben, dass schon alleine die Wärme und Schwere eines anderen Körpers, die unbedingte Nähe eines anderen Menschen, selbst, wenn man den überhaupt nicht kennt und einen also nichts mit ihm verbindet, außer dass eben beide Menschen sind, etwas ungeheuer Anrührendes und Tröstendes, aber auch Befreiendes haben kann.

Besonders erstaunt war ich, dass ich das Gewicht des anderen nicht als bedrängende Beschwerung empfand, sondern eher als heilsamen Druck, der es möglich machte, sich ganz nach innen zu wenden. Es kam mir vor, als hindere die Schwere auf mir meine Gedanken und Gefühle, sich selbständig zu machen und zu „zerflattern“, sondern zwinge sie gleichsam zu größtmöglicher Konzentration. Es gab kein „Entrinnen“ über Bewegungen, Herumlaufen, Umsehen. Es gab nur einen Weg, den die aus den Tiefen kommenden Gefühle nehmen konnten. Den durch den Mund:

Man kann erzählen, auf Fragen antworten, herausschreien – und dabei ungeheuer viel Ballast abwerfen…

Wenn das, was da aufkommt, weh tut, tröstet die Wärme und Berührung des anderen und hilft über den Schmerz hinweg.

Die Fragen und Anregungen der Therapeuten unterstützen einen dabei, einen guten Weg für aufkommende Gedanken und Gefühle zu finden. Wie eine Hebamme nicht am Kind zieht, sondern ihm nur den Weg zeigt und damit das ans Licht kommen erleichtert, so wird auch beim Festhalten nicht gezerrt und gezogen, sondern nur angeregt. Alles, was sich dabei äußert, kommt aus dem eigenen Inneren.

Es war zuvor schon da, nur konnte es nicht hinaus.

Nichts wird hervorgerufen oder ans Licht gezwungen, was nicht schon im Inneren vorhanden war, nichts vorgeschrieben oder hineingeheimnisst. Die Fragen oder Bemerkungen haben nichts Vereinnahmendes oder Bedrängendes, sie sind nichts weiter als Anregungen, Wegweiser, denen man freiwillig folgen kann oder nicht. Wenn nicht, wird man einen anderen, eigenen Weg finden, der aber in seiner Eigenheit durch dieselben Fragen und Bemerkungen erst eröffnet wurde.

Das was da ist, bekommt mit Hilfe des Festhaltens und der Therapeuten eine Chance, endlich herauszufinden. Das ist alles.

Aber das reicht und kann ungemein befreien. "

 Kinderzirkel KinderzirkelKinderzirkel

Haltgebende Pädagogik

Pädagogen werden durch das Verhalten von manchen Kindern auf besondere Weise herausgefordert. Ob Kinder Unruhe verbreiten, sich zurückziehen, schwer zugänglich sind oder gar aggressives oder ängstliches Verhalten an den Tag legen, allen ist eines gemeinsam:

Sie wollen gesehen, ernst genommen und zunächst angenommen werden, so wie sie sind.

Was sie zeigen ist ihr momentanes Erleben auch wenn dieses für sie selbst und für die Umgebung meist schwer zu ertragen ist. Um sich weiter zu entwickeln brauchen sie einen sicheren Rahmen und den haltgebenden Pädagogen, der sie mit ihren Emotionen „aushält“, der ihr Verhalten spiegelt und ihnen hilft ihre Gefühle einzuordnen und auf angemessener Art und Weise auszudrücken. Bei dieser Art der Kinderführung steht der Beziehungsaspekt im Vordergrund.

J. Bauer, einer der führenden Hirnforscher drückt es so aus: „Die Gehirnentwicklung und die Beziehungserfahrungen gehen Hand in Hand.“ Kinder entwickeln durch eine klare u. liebevolle Führung ein besseres Selbstwertgefühl. Sie lernen ihre Impulse angemessen zu steuern und achtsamer mit sich und den Anderen umzugehen.

Über die Erfahrungen mit den Grundsätzen der haltgebenden und bindungsorientierten Pädagogik/Erziehung entwickeln Pädagogen und auch Eltern eine feine Wahrnehmung für die eigentliche Not der Kinder. Übungen aus der integrativen Körperarbeit und aus dem Bindungshalten helfen zu einem tiefen Verständnis für die Hintergründe ihrer Verhaltensweisen. Sie bekommen ein vielfältiges Handlungsrepertoire um mit dem Kind in einen reellen Kontakt zu kommen. Dadurch wird Kinderführung leicht und bietet Halt. Das Konzept wurde maßgeblich von Philipp Nessling und Heide Wettig in der unmittelbaren Arbeit mit Pädagogen und Eltern entwickelt (mehr Infos zu ihm bei Mitglieder)

Haltgebende Pädagogik Haltgebende Pädagogik

Familienstellen

Die Methode des Familienstellens bereichert und ergänzt das Bindungshalten. Im Aufstellen wird sichtbar gemacht, was innerhalb eines Familiensystems, in der Gegenwart- wie auch in der Herkunftsfamilie durcheinander geraten ist oder nicht verarbeitet wurde. Von Bedeutung sind meist besondere Schicksale wie schwere Unfälle, früh verstorbene Kinder oder Erwachsene, vom System ausgeschlossene, aber auch Vertreibungen aus der Heimat oder Folgen des Krieges.

Bei der Aufstellung wird deutlich, auf welche Weise der Einzelne in diese Geschehnisse eingebunden ist, wie sie sich auf ihn auswirken, wie er sich daraus lösen und einen guten Platz für sich finden kann. Dadurch kommt das Familiensystem zur Ruhe, der Einzelne findet Entlastung und Stärkung.

Bereits das Miterleben und Hineingestellt werden in Aufstellungen stößt eigene Prozesse an und ermöglicht, sich mit ungelösten Themen versöhnlich auseinander zu setzen.